Die “Sin City-Saga” – Optisch toll, aber inhaltsleer
Cross Cult Rezis. |
10. November 2008 19:36 Uhr |
Bateman |
Männer, die cooler als Clint Eastwood sind und dazu locker mit zwei Promille und zehn Kugeln im Körper Auto fahren können, neben ihnen eine heiße Frau, die oben ohne ist. Das ist der trashige Stil von Frank Miller, der mit seiner Reihe “Sin City” Kult geschaffen hat, auch Dank des gleichnamigen Kinofilms. Der letzte Band, der zweite Teil von “Einmal Hölle und zurück”, ist nun schon seit einiger Zeit erschienen und damit ist die “Sin City”-Reihe von Frank Miller auch vollendet. Zeit , um ein Fazit der abgeschloßenen Saga zu machen und darüber nachzudenken, ob ein “Sin City 2″ Kinofilm überhaupt sinnvoll ist.
Frank Miller hat mit “Sin City” einen eigenwilligen, sehr coolen Schreibstil gefunden. Die Geschichten um Marv, Dwight und Co. sind rasant, actionreich und einfach nur cool. Es macht wirklich Spaß, auch wenn der Ablauf der meisten Geschichten immer gleich wirkt. Einem Mann stößt etwas zu, wird in etwas reingeraten, die Frau, die er liebt, gerät auch rein und er nimmt blutige Rache. Aber eigentlich ist das egal, denn um die Story geht es wirklich nicht. Die Sprüche, die Action und die einmalige Atmossphäre machen dieses Werk aus. Dazu kommt noch Millers eigene Zeichenkunst, denn er zeichnet dieses S/W Werk selber. Er ist sicherlich nicht der beste Zeichner, da er aber mit dem farbleeren Zeichenstil umgehen kann, sieht alles ziemlich klasse aus.
Während die ersten vier Bände wirklich toll sind und in eben diesem Stil geschrieben wurden, ändert sich das mit dem fünften Band. Der fünfte Band enthält eine Kurzgeschichte, die nett zu lesen ist, aber das “Sin-City” Universum nicht bereichert. Der sechste Band enthält mehrere Kurzgeschichten, die ebenfalls nett zu lesen sind, aber sich auch nicht hervor heben können. Die letzte Geschichte wurde in Deutschland in zwei Bänden heraus gebracht. “Einmal Hölle und zurück” macht aber so ziemlich alles falsch. Die Geschichte ist viel zu lang, die Charaktere gänzlich unsympathisch und die komplette Geschichte ist alles andere als cool. Dazu koloriert Miller mit einer ekligen grellen Farbe und bringt noch einen wirren Drogentrip rein, wo man allerhand Figuren der Comicszene trifft. Vielleicht fügte er das ein, damit sich diese Geschichte ein bischen abhebt. Die Geschichte besitzt keine alten Orte, fast keinen Charakter von früher und auch die interessanten Parallelszenen, wenn man im Hintergrund andere Figuren aus anderen Geschichten sieht, gibt es nicht. Es ist für den Abschluß einer solchen Reihe wirklich die schlimmste Variante, die hätte entstehen können.
Es bietet sich für den zweiten Kinofilm nur “Eine Braut für die man mordet”, Band zwei, an, diesen aber jetzt auf einen 90 Minuten Spielfilm auszudehnen, ist gänzlich eine Frechheit, nachdem man es geschafft hatte, für den ersten Kinofilm gleich drei Geschichten umzusetzen. Die Geschichte mit der Braut als einen von drei Teilen zu nehmen, wäre sinnvoller, da aber Band fünf und sechs keine spannenden Geschichten hat und Band sieben und acht nur katastrophal sind, ist einfach nichts Interessantes da. In einer der letzten News sagte Frank Miller, er würde für den zweiten Kinofilm noch eigene Geschichten schreiben. Da ich mittlerweile Miller weniger Können zu traue als früher, stehe ich auch der Aussage eher gemischt gegenüber. Zur Zeit hilft eh nur spekulieren, da ich schon seit ca. einem Jahr nichts Wichtiges über dieses Projekt gefunden habe.
In Deutschland wurde die Reihe vom Cross Cult-Verlag rausgebracht, die mit liebevoller Gestaltung und viel extra Material die Serie gut präsentieren.
Comicfans, die Sin City noch gar nicht kennen, sollten auf jeden Fall in die Reihe reinschauen. Man sollte nur nach den ersten vier grandiosen Bänden die Erwartungen nicht zu hoch halten. Wenn man das allerdings schafft, bekommt man ein besonderes Lesevergnügen. Sin City ist Kult.
Wie steht ihr zu der “Sin City”-Reihe?




(2 Stimmen, im Schnitt: 3.5 von 5) 

8 Kommentare | Einen eigenen Kommentar schreiben
Ich habe Sin City sehr genossen und würde die Comics sogar dem Film, der meiner Meinung nach trotzdem zu einer der besten und originalgetreuesten Comicverfilmungen gehört, vorziehen. Das liegt vor allem daran, dass das Kontrastspektakel von Licht und Schatten nur auf dem Papier seine volle Wirkung entfaltet. Denn Sin City ist ja weit mehr als nur schwarzweiß; oft stechen die nicht geschwärzten Bereiche in einer solchen Intensität aus der Finsternis hervor, dass man fast geblendet ist oder das Schwarz zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und droht Figuren und Kulisse zu verschlingen. So benutzt Miller die Konstaste nicht nur um den Blick des Lesers zu lenken und entsprechende Stimmungen aufzubauen, sondern auch als erzählerisches und charakterisierendes Stilmittel,wenn auch nicht gerade subtil. Bsp.: Wallaces verschwindend schwarzer Anzug unter dem Trenchcoat oder die letzte Seite in “Stadt ohne Gnade”. Diesem völlig übergangslosen Stils ist es, denke ich, zu verdanken, dass die Comics eine so starke Ästhetik haben und die Panele so lange im Kopf bleiben.
So würde ich dir auch zustimmen, dass der Inhalt hinter der Optik zurückbleibt. SinCity ist ja eine Hardboiledstory mit etwas Italowestern-Mentalität, so werden ethische Fragen genretypisch eher beantwortet als gestellt und es gilt vorallem Stimmung und Spannung aufzubauen. Neben den Dingen, die du schon erwähnt hast, sind auch die weiblichen Figuren sehr fesselnd. Miller wechselt ständig zwischen Mädchen und Kriegerin, teilweise innerhalb einer Figur, so dass seine Frauen immer auf der Suche nach der passenden Rolle in der von männlicher Härte geprägten SinCity-Welt zu sein scheinen und dabei fast nie ihre Sexulaltät verstecken, sehr zur Freude des männlichen Leserauges.
Dass die inhaltliche Qualität zum letzten Band(“Einmal Hölle und Zurück” gibt es mittlerweile auch als ein Buch)merkbar abnimmt liegt vorallem an Wallace, dem “Held” des Bandes. Der ist nämlich im Gegensatz zu Marv, Dwight und co. tatsächlich eher ein Held als ein Antiheld. Miller scheint hier zur Abwechslung einen Feingeist auftreten lassen und dessen Platz in Sin Citys Korruption zeigen zu wollen. So sind auch einige durchaus nette poetische Zeilen im sincitytypischen, gedanklichen Selbstgespräch vorhanden. Allerdings ist hier nun ein Charakter entstanden, der nahezu ekelhaft perfekt erscheint; Wallace ist ein intelligenter Künstler, tötlicher Kämpfer, Kriegsheld,
leidenschaftlicher Liebhaber, recht gutaussehend und im Vergleich zu Marv usw. ein moralischer Mensch.(Abgesehen davon, dass er kein Geld hat, der Traum aller Frauen^^). Er wirkt deswegen hölzern und sein Schicksal bewegt einen kaum. Dennoch sind in diesem und im 6. Band einige der schönsten Zeichnungen enthalten, so dass zeichnerisch die Qualität bis zu Ende bleibt.
Was die colorierten Seiten angeht muss ich zwar zustimmen, dass hier besonders Millers zeichnerische Defizite auffallen, aber die Farbgestaltung für sich sehe ich als gewollt an. Die Aquarell- und Airbrushhintergründe sind sicherlich überaus unattraktiv, aber als Drogenrausch eines Malers durch aus passend. Ob man die halluzinierten Comicfiguren oder die ganze Szene
nun als stimmungsschädlich ansieht ist eher Geschmackssache. Ich denke Miller wollte sich im letzten Band etwas Spaß gönnen.
Sicherlich keine gute Variante.
Sin City ist ein wahrer Augenschmaus, der inhaltliche Anspruch aber nur durchschnittlich. Das heißt aber nicht, dass es ausschließlich Action und Gekloppe geht; Viele Figuren lassen sich auch tiefer als man zuerst denkt in den Kopf schauen und dafür ist nicht immer eine Axt oder eine Kanone nötig.
Achja kann mir einer sagen, was Miller mit den ganzen Reptilienzeichnungen im letzten Band ausdrücken wollte? Ich stehe da auf dem Schlauch.
23.11.08 22:03 Uhr | | Nach oben
Es ist aber nicht nur Wallace. Dafür, dass hier die doppelte Anzahl an Seiten genommen wurde, um die Geschichte zu erzählen, passiert vergleichsweise wenig bzw. wird gestreckt. Dazu kommt, dass der Drogentrip von der Kolorierung noch okay ist, die Agentin in Blau ja auch noch, aber die Agentin in Orange sieht mit der grellen Farbe nur hässlich aus. Außerdem gibt es viele Stellen, die ich an der Geschichte einfach nicht mag wie z.B. die Flucht mit dem Auto, wo die Nymphomanin drin sitzt. Irgendwie ist das nicht lustig mit ihr, sondern der ganze naive Charakter ist lächerlich.
Ich finde auch, dass der Titel “Einmal Hölle und zurück” mehr hergibt, als das, was in der Geschichte verwendet wurde und selbst das hätte man besser ausleuchten können. Es wurde ja ganz zum Schluß mit der Fabrik und seiner Erzählung nur angeschnitten. Aber auch hier ist es dramaturgisch falsch. Das Finale erzählt man nicht in einer Rückblende, weil so keine Spannung aufkommt.
Trotzdem ist “Sin City” ein tolles Gesamtwerk, gerade weil Miller hier ja alles selber macht, wovor man noch Respekt haben sollte.
P.S. Ich hab den Band noch einmal überflogen und sehe keine Reptilienzeichnungen..Was meinst du???
24.11.08 19:16 Uhr | | Nach oben
Dass die Zeichnungen aber sehr gut sind, da gebe ich dir recht! Ist mir beim ersten Mal gar nicht wirklich aufgefallen. Aber vielleicht wirkt daher die Story für mich so dünn, da er so oft Splashpages, also ganzseitige Bilder benutzt, die gut aussehen, aber viel Platz wegnehmen.
24.11.08 19:18 Uhr | | Nach oben
Ja, die Splashpages sind zwar oft sehr geil, tatsächlich aber zu häufig vorhanden. Man nimmt ja auch die Wirkung und diesen Überraschungseffekt aus diesen Bilder, wenn man sie seitenweise verwendet.
ich unterstelle mal, dass die Dame in orange absichtlich so fürchbar coloriert wurde(steht vielleicht für ihren Charakter), nichts destotrotz, ist die Figur wirklich schwach und eigentlich für die Story zu unerheblich um hervorgehoben zu werden, denn der Einschub mit ihr und Libowitzs Sohn ist für mich die schlimmste Stelle im Band. Es ist zwar interessant, dass man erst am Ende weiß, was es sollte, aber sonst ist sie nicht gerade spannend und zerstört für mich die Stimmung. Der Charaker taucht auch sonst nirgendwo auf, bleibt also ohne Hintergrund und damit unansprechend.
Du hast recht; Delia gefiel mir im Band davor besser. Dank Hintergrund und runder Story, die in diesem Band ja endet, trotzdem eine weit spannendere Figur als Lady Orange.
Und jetzt wo du es sagst; die Schrecken der Zuchtstation hätte man wirklich wesentlich stärker darstellen können. Kommen kaum “höllisch” rüber.
Die Rückblende ist mir zwar nicht negativ aufgefallen, aber das hätte man sicher auch wesentlich besser machen können.
Die Reptilen tauchen immer auf, wenn Wallace draußen unterwegs ist. Manchmal am Rand, aber manchmal auch in “Großaufnahme”. Sie sind sehr detailiert und realistisch gezeichnet und es tauchen verschiedene Arten auf(Charmäleon, Leguan, Agame usw.) Im Drogenrausch erscheinen dann ja auch Dinosaurier und Echsenmenschen.
24.11.08 23:23 Uhr | | Nach oben
Der Comic ist genial ,wobei es die Bilder sind die mich faszinieren die Story ist etwas seicht ,aber man sieht gerne hinweg. Ich sehe die Comics eher als Künstwerke die man betrachtet. Frank Miller mag nicht der beste Maler sein ,aber er hat es geschafft durch schwarz, weiß bilder wahre Kunstwerke zu erschaffen.
24.02.09 18:41 Uhr | | Nach oben
In dem letzten Punkt gebe ich dir recht. Er kann seine nicht perfektes Zeichentalent gut ausgleichen, indem er geschickt mit den Kontrasten in “Sin City” spielt. Man darf halt nicht zu viel von “Sin City” erwarten. Auch wenn der letzte Band so oder so enttäuschte.
24.02.09 20:59 Uhr | | Nach oben
Hey ihr ich bin eig überhauptkein Comic leser oder Freak….aber ich hab da en Problem ich müsste ma wissen wie viele Panels Im durschnitt auf einer Seite sind und ob es eine bestimmte Angabe gibt wieviele Seiten eine Geschichte hat
Hilfe wär echt net Das ist nämlich eine Deutsch Ha antworten bitte an favorite21@gmx.net oder einfahc hier ins Forum tippen
18.04.09 16:51 Uhr | | Nach oben
Hehe, so leicht kann man es sich auch machen..;-)
Also, wie viele Panels pro Seite vorhanden sind, kann man nicht ausmachen. Das variiert je nach Künstler, wie der seine Seiten gestaltet. Manche machen sehr kleine, gleichmäßige Panels, quasi Panel an Panel und andere benutzen große Panels, die künstlerisch ineinander übergehen. Viele benutzen auch in regelmäßigen Abständen Splashpages, also ganzseitige Panels. So varriert das von 1-3 Panels bis hin zu 15 Panels.
Auch der Umfang variiert stark, ist allerdings bei den verschiedenen Comicarten bzw. Regionen, aus denen Comics rausgebracht werden, oft eine Norm festgesetzt. Viele Superhelden-Comics, die monatlich erscheinen, haben so um die 32-40 Seiten in einem Heft. Aber verallgemeinern kann man es, wie schon gesagt, nicht.
Hoffe, ich konnte dir helfen!
19.04.09 14:09 Uhr | | Nach oben
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