“Marvel Exclusiv 84: Old man Logan” – Endzeit/Western/Superhelden-Mix
Marvel-Rezis |
15. Februar 2010 23:31 Uhr |
Bateman |
“Ein älterer Mann kommt in einer Wüste mit einem Gaul zu seiner Ranch sachte angeritten. Sein Sohn erzählt ihm bei der Ankunft, dass der Traktor wieder kaputt sei und der alte Mann muss sich Sorgen machen, ob sie die Pacht diesen Monat deswegen abgeben können. Die Konsequenz wäre ein blutiger Konflikt mit den Grundstückbesitzern, eine Großfamilie, die durch und durch vom Inzucht beherrscht wird.” Was klingt wie ein schräger Western, vielleicht auch wie eine Endzeitgeschichte, ist viel mehr eine Elseworld-Geschichte über Wolverine und auch viel mehr darum, wie die Welt fünfzig Jahre später aussieht, wenn die Superschurken Amerika unter sich aufgeteilt haben.
Wolverine 66-67, Giant Size Wolverine Old Man Logan
M. Millar, S. McNiven
Die Geschichte spielt ca. fünfzig Jahre nach der Gegenwart, die Helden starben fast alle und Amerika wurde von den Schurken in einzelne Gebiete eingeteilt. Logan benutzt seine Krallen nicht mehr, besitzt eine Ranch und eine Familie. Er will nicht mehr kämpfen, doch lebt in dem Gebiet der Banners, denen er regelmäßig etwas für die Pacht bezahlen muss. Als der Traktor kaputt geht und Logan die Zahlung nicht erfüllen kann, sieht er sich gezwungen, irgendetwas zu unternehmen, damit die Banners – Nachkommen des Hulk – seine Familie nicht töten. Er wird ein Söldner und transportiert mit dem alten Hawkeye Drogen durch ganz Amerika. Der Roadtrip führt Wolverine auch seelisch zu den Anfängen dieser schlimmen Welt. Er muss sich seinen eigenen Geistern stellen.
Zu behaupten, “Old man Logan” wäre wie “Dark Knight” ist vielleicht etwas übertrieben, doch vom Grundgedanken her stimmt es. Millar hat eine wunderbare Geschichte geschrieben, die sich zum einen um das gesamte Marvel-Universum selbst dreht und zum anderen die Figur des Wolverine treffend charakterisiert. Dabei wechselt die Geschichte zwischen stillen Charaktermomente der alten/neuen Figuren, der typischen Elseworld-Schocker wie z.B. durch das Darstellen eines toten Helden und einfacher und leichter Action. Doch gerade der Genremix kann überzeugen, denn der Band schwankt zwischen Endzeit, Western und Superhelden-Elseworld-Geschichte. Dabei ist die Geschichte nicht nur was für Wolvie-Fans, sondern dreht sich auch stark um den Angelpunkt, wie die Welt bei dem Tod aller großen Helden nun aussehen würde. Daher dreht sich die Geschichte oft um ganz andere, nun verblichene Helden, Schurken und die neuen Situationen, die sich daraus ergeben.
Inhaltlich ist es ein klassischer Road-Trip von Hawkeye und Wolverine. Und auch trotz der anderen Momente kommt klassische “seichte” Unterhaltung, die auf kurzer Sicht Spaß macht, auf langer Sicht aber diesem Titel mit Potential einen Rang in den qualitativ höheren Reihen verwehrt wie wenn Venom einen T-Rex befällt und die beiden Helden anfällt.Auch hätte man ruhig eine Ausgabe mehr verwenden können und auch generell mehr Plat für ruhige Momente nehmen können.
Die Geschichte besticht trotz Mainstream-Unterhaltung doch oder gerade deswegen mit ihrer Konsequenz in der Erzählweise und weicht nie bei der inhaltlichen Härte ab, die sie einst angeschlagen haben und zeigt dies visuell auch mit viel roter Farbe. Der Band ist nebenbei in Deutschland unzensiert veröffentlicht worden. Nebenbei bemerkt man, dass Millar sich nicht unbedingt an “unsere” Gegenwart hält, so gibt es Hinweise, dass z.B. der “Civil War” nie stattgefunden hat.
Die Zeichnungen von McNiven sind klasse und er hat sich vom “Civil War” noch einmal gesteigert. Seine Erzählweise kann begeistern, bzw. die Dynamik zwischen den Bildern und er hat sowohl ein gutes Händchen für ruhige Momente wie halt auch für die Actionszenen. Dazu schafft er es, die Trostlosigkeit in dieser Westernszenarie gut rüberzubringen. Einzig die Proportionen mögen manchmal nicht ganz so stimmen, das sei ihm aber bei dem Rest gerne verziehen.
Leider nicht eine Referenz, dafür einfach zu seicht, doch trotzdem in aller Konsequenz eine gute Geschichte, die Spaß macht und zwar gerade durch diesen Genre-Mix. Man sollte zwar auch viele Splashpages mit simpler Action erwarten, doch trotzdem für Marvel-Fans im Allgemeinen eine klare Kaufempfehlung. “Old Man Logan” hätte noch mehr Potential gehabt und ruhig eine weitere Ausgabe dazu. Es wirkte doch oft etwas gehetzt.



(4 Stimmen, im Schnitt: 4 von 5) 

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