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Durch die feuchten, finsteren Häuserschluchten New Yorks donnern die rhythmischen Schläge einer Trommel und erwecken eine Bestie aus der Schwärze des Wassers, die Echse. Zwar ist “Qualen” alles andere als aktuell, aber als eines von McFarlanes viel gerühmten Arbeiten mit dem Netzschwinger bei weitem wert Erwähnung zu finden. Aus McFarlanes Feder stammen hier Zeichnungen sowie Story und wundervoll schafft er es den Leser Spider-Mans Schmerzen spüren zulassen. Man spürt es bis zum Schluss, der weder für Spidey noch für den Leser voll zufriedenstellend bleibt.

Zeitlich ist der Band nach “Kravens letzte Jagd” anzusiedeln, denn Kravens Geliebte Calypso versucht hier das zu vollbringen, was dem Jäger nicht gelang: Spider-Man töten. Sie nutzt ihre Voodoo-Magie, um die Echse aka Dr. Curt Connors in ihre Gewalt zu bringen. Mit vergifteten Klauen ausgestattet macht dieser nun Jagd auf Spidey. Ebenfalls von Calypsos Magie betroffen wird Spider-Man von der Echse angegriffen und infiziert. Mit dem brennenden Gift in seinem Körper und den dumpfen Voodootrommeln in seinem Kopf unterliegt er ihr. Doch anstatt ihn zu töten gehorcht die Echse ihrer Meisterin und bringt ihr die Beute. In Calypsos Hexenküche angekommen quält sie Spidey weiter und er stellt die Frage: Warum dies alles? Eine Frage die unbeantwortet bleibt.

McFarlanes Zeichenstil kann den Schmerz des Helden sehr gut einfangen. Die unperfekten und faltigen Gesichter der Menschen, die der Echse zum Opferfallen bringen ein ähnliches Grauen zum Ausdruck. Die Echse selbst wurde selten monströser und tierhafter dargestellt. Diese Dinge sowie die düsteren Kulissen, die starke Verwendung von Schatten (besonders bei der Echse) und das viele Blut schaffen die dichte Atmosphäre dieses Comics und rufen die dunkle Stimmung im Leser hervor. Allerdings leistet sich McFarlane auch einige Schnitzer; So hat man das Gefühl einige Figuren würden schielen, da die Pupillenposition nicht korrekt getroffen wurde und witzigerweise scheint McFarlane in einem Panel vergessen zu haben der Echse ihren Schwanz anzuhängen.

Die Bilder begleiten kontinuierliche Textfelder, in denen mit lakonischen, harten Worten ein übergeordneter Erzähler das Geschehen kommentiert. Was am Anfang noch irgendwie unfreiwillig komisch wirkt (” Sein Name–Spider-Man!, Seine Kräfte–gewaltig!, Sein Netz–ein Segen!” Zitat S.4 ), passt sich bald harmonisch in die allgemeine Stimmung des Buches ein und trägt dann zum bedrohlichen Gesamtbild bei.

Die Story ist für ein 112 Seiten Band recht schnell erzählt. Dies liegt daran, dass einige Passagen die Handlung kaum voran treiben, weil dort Spider-Mans Qualen und Wahnsinn ausgiebig gezeigt werden. Man kann diese Passagen aber kaum negativ werten, denn sie tragen maßgeblich zur Wirkung des Bandes bei. Und langweilig wird es dank genügend vorhandenen und dabei recht schönen Actionszenen auch nicht.

Andere Teile enthalten die Nebenhandlung, in der gezeigt wird wie Mary-Jane die Zeit in Clubs verbringt bis Peter wieder heimkehrt. Die Nebenhandlung an sich ist zwar völlig unbedeutend, aber sie soll zeigen, dass MJ nichts tun kann als zu warten und sich abzulenken bis ihr Mann wieder nach Hause zurückkehrt. Da man gleichzeitig auch Spider-Mans Pein und seine Nähe zum Tod erlebt und er einzig durch den Gedanken an MJ weitermacht, kann sich der Leser vorstellen welche Belastung es sein muss ein Alltagsleben wie MJ zu führen, während ihr Mann vielleicht tot in der Gosse liegt. Man möchte nicht mit ihr tauschen. Und doch muss sie es tun, um ihrem Helden diesen Zufluchtsort zu bieten. Dabei wird es nicht ganz klar, ob sie selbst weiß, dass ihr diese unaufwiegbare Aufgabe zukommt. Wie es sich gehört ist auch in diesem Band Spideys Privatleben ebensowichtig wie das Heldendasein.

Die eigentliche Aussage des Bandes ist, dass nicht hinter jedem Angriff auf Spider-Man auch ein Schurke mit einer hintergründigen Absicht stehen muss, sondern dass man als Held auch immer Ziel ist von Angriffen ohne Jeden Sinn, außer dem den Helden zu töten, wird. Spider-Mans Schmerzen steigern sich durch das Bewusstsein dieser Sinnlosigkeit seiner Qual nur noch weiter. Die Frage, warum die Hexe gerade ihn quält, wird konsequent den Band über eingehalten und genauso konsequent wird am Ende keine Antwort gegeben, denn Spidey rettet letztendlich lieber mit Müh und Not seine Haut, als auf eben jene Antwort zu warten. Normalerweise würde ich nicht so viel vom Ende verraten, aber dieser offene Schluss lies mich etwas unzufrieden den Band zuschlagen. Auch wenn vielleicht kaum noch etwas über Calypsos Motivation zu sagen wäre, hatte ich noch irgendetwas erwartet. Da dieses Ende aber gut zum Rest des Comics passt und noch zuletzt wieder die Brücke zum Privatleben schlägt, ist das wohl Geschmacksache.

Zusammenfassend gesagt hat “Qualen” zwar einige kleinere Mängel, wie fehlerhafte Zeichnungen, recht kurze Handlung usw., aber die bedrohlich, düstere Stimmung und die eindrucksvoll, ausdrucksstarke Mischung aus körperlichen bzw. seelischem Schmerz, monströser Tierhaftigkeit, Wahnsinn machen es mehr als lesenswert. McFarlane- und Spinnenfans sowie Liebhaber von eher finsteren Comics können getrost zugreifen, aber auch für alle anderen lohnt sich zumindest mal ein Blick. Allerdings ist der Band regulär nicht mehr im Handel erhältlich (berichtigt mich wenn ich da was Falsches sage). Er ist auch schon so einige Jahre in meinem Besitz

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