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9783941099319Ich wusste nicht, was ich von dem Band erwartet habe, aber nach der letzten Seite war es sowohl ein Gefühl der Bestätigung wie das der Verwirrung, weil es irgendwie doch etwas ganz anderes war. Es war eine kleine Rezesion vom “Stern” oder “Spiegel”, die mir wieder in den Sinn kam, aber keine Ahnung, was da noch drin stand. Jedenfalls ist Tamara Drewe eine Sirene, der mehrere Männer in einem beschaulichen, aber verarmten Dorf in England verfallen. Als mehrere Ereignisse sich überschlagen und dies mit einem schrecklichen Vorfall endet, erlebt man das aus den Augen diverser Bewohner und Besucher der kleinen englischen Stadt. Was genau bedeutet Liebe, Treue und Schönheit? Mit Leseprobe!

Tamara Drewe arbeite eigentlich für einen Verlag und war bekannt für ihre große Nase. Nach einer Schönheitsoperation ist eben diese nun verschmälert worden und aus der netten Tamara ist ein Vamp geworden. Die Männer fühlen sich von ihr angezogen und als sie das Landhaus ihrer Eltern nach dem Todesfall jener übernehmen muss und daraufhin für einige Tage auf dem Lande bleibt, lernt sie das Anwesen neben ihr kennen, in dem mehrere Autoren ihre Bücher schreiben. Tamara weiß selber noch nicht, was sie in Zukunft wirklich werden will, bringt damit aber das ganze Anwesen durcheinander. Der Gärtner ist in sie verliebt, der bekannteste Autor des Anwesens ist mehr auf das körperliche aus und seine Ehefrau vermutet wieder seine Untreue.

“Tamara Drewe” ist durch seinen Stil sehr markant und gar Comic untypisch. Der viele Text vermischt den Comic mit einem Roman, wie die zahlreichen Monologe der Figuren, wie auch das Verfolgen der Geschichte aus den Standpunkten mehrerer Figuren und die Ruhe, mit der die Geschichte erzählt wird, sind ganz und gar eigen. Durch den zahlreichen Text stimmt einem auch das Preis/Leistungsverhältnis erfreulich. Für zwanzig Euro bekommt man eine gute und gerade auch lang andauernde Unterhaltung. Posy Simmonds, Autorin und Zeichnerin, des Bandes hebt sich mit den Kleinigkeiten ebenfalls von der handelsüblichen Art des Erzählens – nicht unbedingt bezogen auf Comics – ab. Gerade der eigenwillige Schreibstil, der durchaus auch den verschiedenen Figuren wirklich einen eigenen Charakter gibt, zusammen mit dem gar untypischen, leicht an eine Karikatur erinnernder Zeichenstil gibt dem ganzen den ländlichen Charme. Betonung liegt auf das Wort “Charme”, denn damit kann diese unepische Geschichte punkten. Während nämlich vieles an der Art des Erzählens positiv zu verbuchen ist wie die Ruhe, mit der die Geschichte erzählt wird und einer wirklich unterschiedlichen Darstellung der Figuren, so ist die Geschichte selber zu einfach konzipiert. Auch durch den Wechsel der verschiedenen Perspektiven hätte die ein oder andere Wendung (Plotpoint) der Geschichte gut getan.

Denn der “Crime-Plot” ist zu gering ausgefallen, um ihn überhaupt hier zu erwähnen. Der Charme und damit auch ein spezieller Humor, ähnlich dem von Hornby – halt leicht britisch- , macht das ganze lesefreundlich und unterhaltend, allerdings ist dieser Anteil deutlich ausbaufähig, auch vergleichsweise mit dem Anteil des ganzen Brimbrumboriums, welches vonstatten geht, seit dem Tamara im Dorf ist – quasi der “Soap-Anteil”. Die Frage nach “Soap” oder “Drama” ist schwer zu beantworten und eh immer sehr subjektiv. Fest steht, wer ein anspruchsvolles zwischenmenschliches Drama sucht, sucht hier falsch, denn dafür ist “Tamara” deutlich leichte Unterhaltung. Wunderbar sind aber die kleinen Wahrheiten, die die Autorin miteinfließen lies. Tamaras Vorstellung von Schönheit und die Art, wie mit der gefürchteten Treue umgegangen wird. Abseits des Kitsches spiegelt diese Geschichte doch irgendwo das Leben wieder und man fürchtet sich schon etwas, wenn man sich selbst darin wiedererkennt. Es sind die Menschen, die Simmonds vortrefflich darstellt, allesamt mit Fehlern behaftet und trotzdem schafft man es bei (fast) keinem, ihn in die Schwarz/Weiß-Schublade zu stecken. Wenn man selber emotional reagiert, muss die Autorin irgendwas ja richtig gemacht haben.

Es wirkt ein wenig, als hätte Nick Hornby dieses Werk geschrieben, nur dass Hornby dann eine Frau sein müsste und zwar mit einem sehr seltsam klingenden Namen.

Ganz was anderes als der übliche Mainstream und selbst auch etwas abseits des “normalen” Independent-Krams. Eben “Tamara”.

Leseprobe:

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