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Die Agenten/Rachegeschichte um den “Trust”, Shepherd und Graves besticht durch vieles. Den Zeichstil, der leicht ins Comichafte geht, die tollen Cover, die Noir-Atmossphäre, der Geschichte rund um Rache im großen Stil und vor allem durch die Erzählweise, die mir so noch nicht vorgekommen ist. Wie in guter Tarantino-Kunst wird eine recht einfache/normale Geschichte um einen Mafiaclan, die ihre eigenen Auftragskiller umbringen wollten und nun von diesen mehr oder minder gejagt werden, zu einer verzwickten Geschichte hochgepuscht. Intrigen werden geschmieden, die Charaktere teilen sich in Lager auf und das Hauptmerkmal, einzelne Geschichten von Leuten, die von Graves 100 Kugeln und eine Waffe bekommen, kommt auch hier wieder vor. Während die Hauptgeschichte nur in sehr kleinen Schritten vorran kommt, erleben wir zusätzlich das Leben eines Junkies in Amerika und die eines Faulpelzes, der sich in Mexico breit gemacht hat, quasi als “Spin-Offs”.

In dem dicken vierten Band gibt es diverse Geschichten. Eine, wo durch das Treffen der Familien der Handlungsstrang der Serie weiter erzählt wird, dann begegnet ein Junkie seinen Liebsten, bevor er einen schweren Fehler begeht und ein Faulpelz in Mexico, der einen Auftrag erfüllen wird und von Shepherd und seinem Schützling dabei beobachtet wird.

Während diese Serie ausnahmslos umwerfende Cover präsentiert, so bin ich bei den Zeichnungen in den Heften zwiegespalten. Irgendwas stört mich an Rissos Stil, obwohl er einerseits aber auch überzeugen kann. Er ist für mich zu sehr “Cartoon”, dabei stört aber auch Rissos Erzählstil. Oft kann man seinen Bildern nicht folgen und ist sich nicht sicher, was nun passiert ist. Ich glaube nicht, dass das so absichtlich gemacht wurde, daher bin ich entweder zu blöd seinen Bildern zu folgen oder er kann nicht das umsetzen, was der Autor, Azzarello, sagen will.

Die Grundgeschichte ist sehr interessant und die Charaktere sehr cool, auch wenn sie äußerlich schon zu sehr Klischee sind. Sei es Shepherd und Graves, die exakt so cool sind, wie man sich zwei verbitterte Ex-Agenten, die sich hassen, vorstellen kann, noch Shepherds Schützling, die eine “femme fatale” darstellt.

Leider ist nur die Grundgeschichte wirklich interessant. Wenn es mehrere Hefte um irgendwelche Leute ging, die den Koffer bekamen und deren Leben man nun fortan verfolgte, habe ich irgendwie immer innerlich abgeschaltet. Auch wenn ich generell Dramen liebe, gingen mir die Nebengeschichten immer zu weit vom Mafiathema weg.

Es ist echt schwierig diesen Band zu bewerten. Grundgeschichte ist klasse, Nebengeschichten weniger, die Zeichnungen passen einerseits, irgendwie aber auch nicht für mich, dazu noch ein Nachwort, welches schon beim schieren Anblick der klein geschriebenen Buchstaben keine Lust aufs Lesen macht, trotzdem kann man die Serie “100 Bullets” an jene weiterempfehlen, die anspruchsvolle Rachegeschichten wollen, die auch mit Anspruch statt Action auskommen. Mit der Komplexität und den Aussagen kommt es ja fast sogar an Gaimans “Sandman” ran. Man muss sich halt für die Reihe nur Zeit nehmen.

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