“Black Orchid” - Wunderschön und traurig zugleich
Vertigo/Wildstorm-Rezis |
21. Juni 2009 12:13 Uhr |
Bateman |
Es gibt 08/15 Comics, die dem Klischee entsprechen und sowohl inhaltlich wie auch grafisch nichts bieten und es gibt diejenigen, die einem förmlich mit ihrer bloßen Präsenz weghauen. “Black Orchid” gehört zum zweiteren und besitzt allein grafisch so viel, von McKean natürlich, dass beim Zuschauer kaum etwas anderes als Bewunderung bleibt.
Black Orchid ist eine Superheldin und stirbt durch die Hand ihrer Gegner. Doch da sie herbeigezüchtet wurde, stehen von ihr noch viele andere wenige Kilometer entfernt in einem Labor. Zwei dieser Wesen werden nun erweckt und begeben sich auf eine Odysee, um die wichtigsten aller Fragen beantwortet zu bekommen. Wer bin ich und wieso bin ich hier?
“Black Orchid” ist eine wunderbare Mischung aus einer Superhelden- bzw. einer Popcorngeschichte und etwas weitaus Anspruchsvollerem wie die Sandman-Reihe. Popcorn, weil man sich hier tief in die Welt von DC begibt und dementsprechend viele Gastauftritte gezeigt bekommt. Popcorn, auch weil trotzdem gerade am Anfang und am Ende Gewalt aufkommt und diese gerade am Ende doch sehr klassisches “Unterhaltungskino” ist.
Der Anspruch sitzt allerdings viel tiefer und zeigt sich nicht unbedingt jedem beim ersten Mal lesen. Das Vorwort deutet schon so schön daraufhin, wie konsequent Gaiman die Geschichte entwarf. Die, die Gewalt anwenden, werden auch darin untergehen, so wie Black Orchid am Anfang des Bandes. Das unterstreicht auch noch mal so schön Batman, wenn er von eine Art Krieg redet. All diejenigen, die Gewalt anwenden, werden in der Geschichte untergehen. Die Hauptperson allerdings, unschuldig wie ein Kind, meidet diese und ist von Natur aus friedliebend. Weder die Männer im Dschungel, noch die Irren in Arkham tun ihr etwas an. Der Schlußsatz “Es gibt keine schwarzen Orchideen” bezieht sich da wieder auf die Mischung von “Schwarz” -symbolisch für die Gewalt- und “Orchid” -symbolisch für etwas Reines und sagt gewissermaßen damit aus, dass jeder, der Gewalt anwendet, nicht mehr rein sein kann und damit auch nicht besser sein kann als diejenigen, die er damit vielleicht schützen will.
Auch die Inzenierung der Geschichte ist einmalig. Sie ist spannend und besitzt gute Dialoge, die schon die mittlerweile typischen Gaiman-Züge aufweisen. Ich persönlich hätte mir vielleicht etwas weniger Superhelden und dafür einen stärkeren Fokus auf die Aussage des Bandes gewünscht, im Endeffekt jedoch ist die Aussage, die ich erst Stunden später begriffen hatte, doch richtig inzeniert worden. Verpackt in eine leichte Unterhaltung muss der Leser sich selber anstrengen, um zu den erwünschten Gedankengängen von Gaiman vordringen zu können. Bewundernswert ist auch wieder der tolle Genremix, den er einem hier anbietet. Coming Age, Horror, Krimi, Superheldengeschichte, Drama, Mythologie.
McKeans Abeit ist vielleicht die beste, die ich bisher von ihm sehen konnte. Sie wirkt noch experimenteller und gelungener als beim “Sandman” und kann auf jeder Seite überzeugen. Gerade die Splashpages oder die Kolorierung sind wirklich “groß”.
Ich habe lange mit mir gerungen, wie viele Sterne ich gebe, da mir doch irgendwie was gefehlt hat und fünf Sterne schon für “einmalig” stehen. Doch gerade künstlerisch und auch relativ gesehen inhaltlich ist “Black Orchid” ein einmaliges Werk und verdient damit doch die fünf Sterne.
Fazit: Trotz des Alters von “Black Orchid” ist es künstlerisch gesehen eins der besten Bänder, die ich je besitzen durfte. Inhaltlich hinkt es dem einen kleinen Tick hinterher, trotz allem auch von Gaiman eine Wahnsinnsleistung und wie so oft bei ihm verdammt gut.





Einen Kommentar schreiben
(Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht)