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Mit dieser neuen Reihe möchte ich Comics bzw. Comicreihen vorstellen, wegen denen ich immer weiter Comics mit Begeisterung lese. Und darum geht es in “Warum ich Comics liebe”. Den Anfang macht die Reihe “All Star Superman”. Diese Serie spielt zeitlich nicht in der aktuellen Continuity, sondern zu einer Zeit, als Lois Lane noch nicht wusste, wer Superman in Wirklichkeit ist, geschweige denn mit ihm verheiratet ist. Eine Elseworld-Geschichte, die allerdings nicht wie die anderen ihrer Art abgehoben ist. Ein noch recht junges Projekt, die als abgeschlossene Mini-Serie geplant war, geschrieben von Morrison und gezeichnet von Frank Quitely. Die letzte Ausgabe fehlt noch in Deutschland. Trotzdem ist die Serie es wert, sie hier einmal komplett zu untersuchen, um zu erklären, wieso diese Serie eine der Besten ist, die je geschrieben wurde.

Es ist schwierig Superman zu schreiben. Schwerer als viele glauben. Eine Batman-Ausgabe zu schreiben ist leicht, man muss nicht sonderlich talentiert zu sein, um Batman cool wirken zu lassen. Es ist ebenfalls leicht, einen Joker oder einen Lex Luthor auftreten zu lassen. Selbst beim untalentiertesten Autoren wirkt der Joker in der Geschichte immer noch lesbarer. Aber einen Charakter zu schreiben, der alles kann, dessen Fähigkeiten allmächtig sind wie die eines Gottes und dessen Probleme im Alltag, seine Sorgen und natürlich einen Nemesis für ihn zu schreiben, das ist ein ganz anderes Kaliber.

Ich wage zu behaupten, dass Superman/Clark Kent der komplizierteste Charakter im DC-Universum ist. Allein zwischen seinen drei Identitäten richtig zu pendeln und sie alle auch realistisch darzustellen, ist eine kleine Kunst. Superman wird meistens widerwärtig eklig moralisch geschrieben. Es fällt schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Clark Kent wird meistens als Superman in Zivil geschrieben und Kal-El wird von allen ignoriert. Gerade mit seinem ganzen “Silver-Age” Anhang, den die Serien um ihn besitzen, fällt es schwer, eine gute Story zu schreiben. Es hat sich auch einfach im Laufe der Zeit zu wenig im Superman-Universum verändert.

Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Arten, eine gute Geschichte um ihn zu schreiben. Entweder als allmächtiges Wesen, mit viel Action, aber man müsste auch auf seine moralischen Sorgen eingehen. Oder als relativ unbeschwerte Serie, die einen gewissen Charme besitzt. Eine Serie, die nur so vor Ideen strotzt und alles so humorvoll und unbeschwert schreibt, dass man bei jeder Ausgabe Spaß hat. Man beugt sich dem “Silver-Age” Anhang und passt sich dem Szenario an und genau das hat der Autor dieser Serie gemacht. “All Star Superman” bringt einfach nur Spaß und ist eins der kreativsten Werke der Comicgeschichte.

Heft 1: Superman ist tot, es lebe Superman!

Der Auftakt der Serie ist bildgewaltig. In drei Bildern schafft Frank Quitely Supermans Origin zusammenzufassen und zeigt dann einen Superman, der dicht unter der Sonne fliegt. Frank Quitely schafft es, die Bewegungen von ihm einzufangen, ebenso wie sein Schauspiel als Clark Kent und die Ausstrahlung des Supermans. Wenn Lois in der zweiten Geschichte durch die Festung der Einsamkeit geht, ist es wie eine Talfahrt mit hundert Überraschungen. Als Zuschauer erlebt man einen Superman der Zukunft, um eine Seite später einen Suneater zu sehen, all das verbunden in einer kleinen Mysterygeschichte. In dieser Ausgabe findet man unheimlich viele Anspielungen und eine Geschichte vollgespickt mit Inhalt und Charme. Man merkt einfach, dass man hier mit sehr viel Herz rangegangen ist.

Heft 2: Hände weg von Lois! Sie ist mein Groupie!

Superman muss mit zwei Konkurrenten um die Gunst von “Superlois” kämpfen und macht danach mit einer neuen Art von Kryptonit Bekanntschaft. Er trifft auf Doomsday??? Hier erleben wird wieder viel Epos gepackt mit einem kindlichen Charme. All das hat Humor und regt zum Schmunzeln an. Alleine griechische Mythologie mit der Invasion von klugen Dinosauriern zu paaren, ist total absurd. Die zweite Geschichte um Doomsday ist vielleicht der Tiefpunkt der Serie, sowohl von der Geschichte wie auch vom Zeichnerischen. Sie ist sehr einfach gehalten. Trotz allem haben wir eine wunderbar witzige erste Geschichte und eine Neuinterpretierung von Jimmy Olsen.

Heft 3: “Warum ich dich hasse, Superman” und “Du fehlst mir, Vater”

Wieder ein erneuter starker Aufstieg der Serie. Und zwei unglaublich abwechslungsreiche Geschichten. Clark Kent trifft auf Lex Luthor und beide werden vom Parasit gejagt. Eine sehr temporeiche Geschichte, mit einem der besten Dialoge zwischen Lex und Clark. Man bekommt einen tiefen Einblick in dem Mann, der Superman hasst und ist mitgerissen von der Geschichte und auch trifft ein absurder Moment den nächsten. Im zweiten Teil bekommt Clark von Zeitreisenden Besuch und kann das Unverhinderliche nicht aufhalten. Den Tod seines Vaters. Und wieder schafft es Morrison einen zu berühren. Clarks Gefühle, dieses Drama zu mischen mit einer komplexen und verwirrenden Sci-Fi Geschichte ist gewagt und kann unterhalten.

Heft vier: Bizarro will helfen Superman!

Heft Nummer vier besitzt nicht zwei Geschichten, sondern ein kleines Epos. Bizarros überfallen die Erde und Superman gerät aus Versehen auf ihren Planeten. Fern von der Sonne schafft er es nicht, wieder zu fliehen. Von der Geschichte schon eine kleine Steigerung macht Heft vier aber vor allem auch Zeichnerisch wieder viel aus. Frank Quitely gibt alles, bringt Bewegungen in seine Zeichnungen und schafft Emotionen rüberzubringen. Die Bizarro-Welt ist wunderbar abstrakt dargestellt. Von der Geschichte wird man von Morrison förmlich mit Ideen bombardiert. Eine Idee jagt die andere und schon alleine die Neuinterpretierung von den Bewohnern dieser fremdartigen Welt ist einfach genial.

Heft 5: Alles geht dem Ende zu

Spätestens mit diesem Heft war es um mich geschehen. Die Serie ist in sich perfekt und bildet einen unsichtbaren Bogen. Jede Geschichte steht für sich alleine, aber jede ist mit den anderen verbunden durch einen losen Rahmen. Man hat hier zum einen eine Geschichte um zwei lebende Kryptoner, die die Erde zum neuen Heimatplaneten machen. Doch Superman erklärt ihnen, was ihm so an der Erde liegt, so, wie sie jetzt gerade ist. Die Geschichte trieft zwar mit Moral, aber auf eine sympathische Art und Weise. Den Superman, den Morrison hier “erschreibt”, ist von einem jedem Menschen das Vorbild und er ist dabei sogar wirklich sympathisch. Man bekommt hier einen Charakter serviert, der wirklich Frieden bringen will und nicht in jeder Ausgabe sich mit jemanden prügeln muss, um die notwendige Action im Heft zu füllen. Das braucht diese Serie gar nicht. Man erlebt eine Geschichte über Überlebende, unsterblicher Liebe und der Tugend zu vergeben, aber nicht zu vergessen. In der zweiten Geschichte erledigt Superman seine Memoiren, bevor er sterben muss. Man bekommt im Zeitraffer alle Tätigkeiten seines Lebens mit und erlebt dadurch seine Gedanken und Gefühle. U.a. besucht Superman Lex und erinnert ihn an sein Versprechen, sein Kraft dem Gemeinwohl zu geben, falls Superman sterben sollte. Dabei erlebt man parallel die Entstehung einer kleinen zweiten Welt. Selten so kreative Geschichten gesehen und der Höhepunkt dieser Reihe. Es ist alleine schon so cool, wie diese Geschichte inzeniert wurde und die späteren Ereignisse parallel mit der Entstehung der neuen Erde gezeigt werden. Es ist fast ein bischen wie eine Anleitung, um eine verdammt gute Geschichte zu schreiben. Dabei ist diese Geschichte bei so kleinen Dingen so bewegend, dass sie einen wirklich berührt. Es geht einem zu Herzen, wenn Superman die Abgründe der Herzen aller Menschen sieht und ihnen versucht zu helfen und wenn es nur die Schulter zum Anlehnen ist.

Das Wunderbare an der Reihe ist, dass sie von Anfang bis Ende kreativ ist und gänzlich ohne Gewalt auskommt. Man ist gefangen von dem leicht naiven Charme und gefangen von den überwältigenden Bildern, dabei entdeckt man beim erneuten Lesen kleinere Anspielungen auf altes und Hinweise auf kommendes. Eine wahre Fundgrube für alte Comichasen. Es ist einfach schön, noch Comics zu finden, die sich nicht auf einen 08/15 Plot verlassen und versuchen den Leser zu überraschen. Dazu die grafische Inzenierung von Frank Quitely, der es versteht, Bilder perfekt in Szene zu setzen und schöne Splashpages zu machen. Man kann sich nur mit enormer Vorfreude auf die letzte Ausgabe des kleinen Epos freuen!

“All Star Superman” ist der Grund, weswegen ich Comics liebe!

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