Beim Comicfreak – Über Rückentattoos und eine Sammlung von Comicverfilmungen
Sprechblase |
18. Juli 2010 11:57 Uhr |
Bateman |
Es ist kurz nach acht, es schneit zum ersten Mal im Jahr und es ist ziemlich kalt. Ich gehe die enorm große Treppe mitten in Lübeck rauf, um einen Comicfreak, einen Sammler von Superheldencomics und vor allem deren Verfilungen, zu besuchen. Sein Mitbewohner lässt mich rein und belebt mich wieder mit Kaffee. Während ich wieder langsam auftaue und als Wartezeit mich mit ihm über “The walking death” unterhalte, tritt mein Interviewgast gerade herein. Stanley Head, seines Zeichens ein echter Comicfreak. Vier Stunden vom Tätowierer gepeinigt, hungrig und ziemlich K.O. führt er mit mir ein langes Gespräch über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Superheldenindustrie.
Stanley Head, seines Zeichens Comicfreak, der neben seiner Sammlung von Marvel- und DC-Comic vor allem mit Merchandise, speziell Comicverfilmungen auftrumpfen kann. Zusammen mit einigen Freunden wird im Kreis Schleswig-Holstein unter dem Motto “Superheldenfantreff” ein Treffen der Sammler regelmäßig einberufen. Ihre Seite besitzt neben interessanten Artikeln über Superhelden auch Fotos, die von den schrägen Treffen berichten. Ich hatte die Ehre, mich mit einem von ihnen zu treffen und mit ihm über Gott und die Welt, also Superhelden, zu schnacken.
“Zu meinen Punkrockzeiten, war das nicht so wichtig, ich habe mir nur regelmäßig die Rächer gekauft.”
(Ich trete in den Raum rein, wo mich Stanleys Merchandise begrüßt. Ein riesiges Regal, welches sofort auffällt, wird u.a. von Thomas Jane und der schönen Jessica Alba als “Die Unsichtbare” bewacht.)
Wann hat DAS hier angefangen?
(Ich mache eine Bewegung mit den Armen, die den ganzen Raum einschließt)
Das hier?
Also nicht das Zimmer, sondern DAS hier für dich.
Gesammelt habe ich eigentlich schon immer. Seit ich sechs Jahre alt war. Noch bevor ich eigentlich Lesen gelernt habe. Also Marvel in erster Linie, aber auch DC, aber auch vieles andere. Wie alt bist du?
22.
Ja, ich bin 43. Ich kann dir von Zeiten erzählen. “Silberpfeil” wird dir vielleicht noch was sagen. Westerncomics. “Buffalo Bill” und Bildschriften Verlag, was so alles raus kam. Mickey Maus. Aber ich habe schon ziemlich früh auch Superhelden-Comics gelesen. Bei mir war das so: Ich habe alles von Comics gelesen. Aber das extreme war, also ich bin ja auch erwachsen und ich habe auch ganz lange fast keine Comics gelesen, also nur die Rächer und nichts anderes. Zu meinen Punkrockzeiten, war das nicht so wichtig, ich habe mir nur regelmäßig die Rächer gekauft.
“Das sind nur Superheldenfilme. Durch die Bank weg”Da steckt ja generell viel Zeit und Geld drin, gerade zeit lich so etwas zu finden.
Viel ebay, viel auch auf Flohmärkten. Auch ganze Sammlungen aufgekauft, als ich anfing mit Superheldenverfilmungen, das ist ja im Grunde mein großes Faible geworden. Vielleicht vor 15 Jahren, als ich anfing, halt auch Filme zu sammeln. Weiß nicht, ob jemand eine größere Sammlung hat. Geht auf der anderen Seite des Regals weiter und das ist noch nicht alles, was ich habe. Überall liegt hier noch etwas rum.
Ich sehe erst jetzt, dass es eine reine Sammlung von Superheldenverfilmungen ist.
Das sind nur Superheldenfilme. Nichts anderes. Ich hab auch andere Filme, aber die sind nicht hier. Das sind nur Superheldenfilme. Durch die Bank weg, okay, “Star Trek” und “James Bond” kann man nicht dazu rechnen, aber ansonsten fängt das mit dem ersten “Zorro”-Film von 1921 bis heutzutage an. Ich habe gerade ganz viele Artikel´über Western-Superhelden, die viel in den 30er, 40er Jahren rauskamen. Das habe ich jetzt gerade bearbeitet. Peters hat tierisch viele Fanfilme ohne Ende. Da gibt es einfach viele von, da ergänzen wir uns einfach. Also mein Ziel ist es, Bücher über Comicverfilmungen rauszubringen. Es gibt da schon einige, aber sagen wir mal so. Die genügen nicht den Ansprüchen, die ich an ein Buch hegen würde. Das ist halt ein Amerikanischer, der in erster Linie amerikanische Superhelden, also amerikanische Filme da mit reingenommen hat und dann halt bei einem anderen Buch kam nur europäische Produktionen wieder rein und der Rest fehlt. Danke Sascha!
(Ein großer Berg von Nudeln kommt rein.)
Hast du eine Faszination auf Superhelden?
Ja, dass ist tatsächlich so. Also ganz, ganz früh, damals gab es ja auch “Western von gestern” und “Zorro” hat mich schon immer fasziniert. Und sobald etwas mit Superkräften und Masken zu tun hat, hab ich es automatisch gelesen. Ich weiß nicht, woher es kommt. Wahrscheinlich die Starken und die Guten besiegen die Bösen, das hat sicherlich auch viel mit meiner Kindheit zu tun, die ich jetzt nicht weiter ausführen möchte, aber ja, Gut/Böse, irgendwie so was, war dann auch Fluchtpunkt für mich. Meine Jugend war, wie gesagt, nicht ganz so toll und da waren halt die Guten, das waren halt so, als ich sieben, acht Jahre alt war, waren das meine Freunde. Ich kann das nicht mehr so nachvollziehen, aber ich kriege das so durch meine Psychotherapie, die ich jahrelang gemacht hab, dass das noch so ein Thema für mich war. Der einsame Held und die anderen sind alle doof, irgendwie hat das damit zu tun, aber mich hat das schon alles fasziniert. Die Frage, was würde ich tun, wenn ich Superman wäre. Weißt du? Ich wüsste, was ich tun würde und es wäre dasselbe wie vor 20 Jahren oder vor dreißig Jahren, als ich ein kleiner Junge war. Und ich glaube, dass ist das, was mich am meisten fasziniert, dass es Figuren gibt, die so etwas können und was wäre, wenn ich das könnte.
Punkto Superheldenverfilmungen. Wie weichen uralten Werken wie “Thor 2000” oder “Captain America” zu den Filmen des neuen Jahrtausends ab? Abgesehen von den Special Effects.
Ja, natürlich. Im Vergleich zu den 70er Jahren? Ja, damals gab es noch keine Superschurken. Sie hatten in den Filmen gegen Gangster gekämpft, selbst beim Hulk. Heute ist es anders. Heute sind es richtige Superschurken. Das muss man so schon sehen, dass die auch inhaltlich von da auch besser geworden sind, dass sie viel näher an den Comics dran sind als früher. Früher habens sie halt Spider Man genommen und der hat gegen irgendwen gekämpft. Gegen… (Stille) James Blablala und der hat ein Kartell gehabt und Drogen geschmuggelt. Captain America genauso. Böse Leute, die irgendwie irgendwem was wegnehmen wollen, also völlig banal. Da waren ja sogar die Serials aus den 30er, 40er Jahren rauskamen, besser.
Wie lernten sich die Superfreunde kennen?
Oh, das ist eine sehr lustige Geschichte. Also Holger und ich kennen uns schon ganz lange. Und wir hatten damals einen Mickey-Mouse-Fanclub gehabt. Da waren wir damals im Keller bei ihm mit einem Dia-Projektor und haben dann halt abgemalt. Und dann hatte es sich heraus kristallisiert, dass er Superman liest und ich halt den Marvel-Kram und ja, dann war die Schule zu Ende und die Interessen gingen auseinander und wir haben uns nicht mehr gesehen. Und dann ungefähr vor 12-13 Jahren war ich dann einmal bei einem Typen, der hatte eine Anzeige im Wochenspiegel gehabt. Verkaufe Singles und all so nen Kram und ich hab damals noch viel mehr Platten gekauft und hab angerufen, bin hin, war denn bei dem in der Wohnung. Das war Peter, wusste aber nicht, dass ich jemals noch mal mit ihm zu tun haben werde. Auf alle Fälle war ich fasziniert. Seine Frau hatte ganz viel Mickey-Maus-Kram gehabt, er auch Spider-Man bzw. Marvel. Und ich war tierisch lange da, war echt nett und hab die Singles da gekauft und bin wieder nach Hause gefahren. Und dann habe ich irgendwann Holger wieder getroffen. Bei mir auf der Arbeit, weil er da irgendetwas abgeben musste. Er fuhr für den Kurierdienst. Und dann “Ach, na? Wie geht’s? Sammelst du noch deine Comics und so? Ja, ja. Alles gut, alles groß. Ich meine, ich hab einen Keller und so, wo meine Sachen sind, meine Figuren. Ich treffe mich da auch mit einen. Komm du auch mal mit, wenn du Lust hast” und das ist ungefähr zehn Jahre her. Und dann sag ich: “Joa, komm ich mal vorbei, haben uns da verabredet und ich komm denn dahin und dann saß da Peter und das wusste ich noch nicht. Wir waren zu dritt und hatten uns da getroffen. Hatten etwas getrunken, uns über Comics unterhalten und ich hab überlegt, woher ich den Typen kenne? Und er wusste auch, dass er mein Gesicht gesehen hatte, aber noch nicht woher. Das war ja auch schon ein paar Jahre her. Und dann haben wir uns unterhalten, wo das wohl herkommen könnte und dann sind wir darauf gekommen. So war das also. Wir haben uns eigentlich alle drei Monate getroffen. Und wir sind auch jetzt noch der harte Kern. Also ich schreib die ganzen Artikel auf unserer Seite, Hoschi macht denn viel wegen den Bildern, kümmert sich um die Links, verarbeitet die Briefe, die kommen. Macht das alles so ein bischen schön. Und Peter ist vor allen Dingen so… Hast ja sein Haus gesehen, was der so macht. Wir drei sind so der harte Kern. Und wir treffen uns ungefähr alle drei Monate.
(Sascha kommt rein.)
Sascha: Ich lese echte Comics.
Das hattest du ja schon angedeutet.
Sascha: Na, ich lese anders so. Superhelden auch, aber Superhelden waren bei mir immer so am Rand. Aber sein Vater war früher mein Comichändler!
Ein Vater, der Comichändler ist, das ist aber auch… WOW.
“Das war Gott.” “Der hatte denn alles auf dem Dachboden.”
(Das heilige Regal der Comicverfilmungen. Im Ernst, so eng an eng so eine Vielzahl der unterschiedlichsten Filme dieses Genres.)
Das war Gott und als der seinen Laden aufgekauft hat, da waren Sascha und ich schon Kumpels, noch keine Freunde, aber Kumpels und da habe ich natürlich tierisch bei ihm gekauft. Der hatte das denn alles auf dem Dachboden. Und so habe ich meine Comicsammlung dann auch… Die ist unter dem Bett. Weil da war einfach kein Platz mehr, ist mir einfach zu viel geworden. Obwohl es gar nicht so viel ist. Peter hat wesentlich mehr. (Sascha kommt mit “Wanted” rein) Sascha: Den kann ich dir wärmstens empfehlen. Viel besser als der Film. Hier kommen Superhelden vor, in dem Film nicht.
Ich fand den Film sehr enttäuschend. Sehr platt.
Sascha: Ich auch. Wenn du das Comic gelesen hast, dann wirst du verstehen, wieso das im Film so komisch ist. Das Comic ist sooo böse. Also, es gibt Superhelden, aber nur noch böse, weil sie die Guten alle umgelegt haben.
(Nach einer kurzen Diskussion über “Wanted” verlässt uns Sascha)
Wird man irgendwann von dem Sammeln müde? Nach all den Jahren, das man sagt, man will nicht mehr?
Nein, eigentlich nie. Sicherlich schwankt es, aber, ja, die Frage habe ich mir sicherlich schon ein mal gestellt, aber nie wirklich dazu entschieden. Gerade weil jetzt auch ein ganz anderer Zweck noch dahinter steckt. Ich will halt unbedingt irgendwann Bücher darüber schreiben. Deswegen kaufe ich noch Filme davon, die ohnehin noch schlechter sind, als die, an die man so schon einfach rankommt. Irgendwann einmal auch mit dem Traum, weltweit die größte Sammlung an Comicverfilmungen zu haben. Das wäre schon mal so ein Ziel.
Sind die Geschichten in den Comics aus deiner Sicht im Laufe der Zeit komplexer geworden? Besser?
Nein, finde ich gar nicht. Ist sicherlich auch was nostalgisches, aber ich finde es nicht. Comics werden heute und das darf man nicht vergessen, in erster Linie für Erwachsene gemacht. Für verrückte Leute wie mich. Also wenn ich meine amerikanischen Kollegen frage, dann lesen deren Kinder Mangas. Ich glaube, das es immer weniger um Geschichten geht, als Greschichten serienübergreifend zu machen, damit die erwachsenen Leser sich eben auch alles holen, was sie halt auch bezahlen können. Es gibt sicherlich auch Kinder und Jugendliche. Aber das ist eine geringe Zahl, auch hier in Deutschland. Auf Börsen sieht man kaum Kinder, auch Leute in deinem Alter weniger, mehr Leute wie mich.
Klar, es gibt Ablenkungen und dann sind einfach die Preise auch so hoch geworden.
Weil die Auflage so gering geworden ist.
Sicherlich. Als ich angefangen hatte zu sammeln, da hatte ein Heft 4 DM
Nein, noch biller. Das war noch billiger. Da sieht man halt, dass sie nicht mehr für Jugendliche gemacht werden. Da wie auch hier nicht mehr. Es gab da halt eine Gegenwirkung. Hefte teurer, aber Auflage geringer. Als Dino teurer wurde, war es quasi der Tod der deutschen Comics. Da war halt eine kurze Lücke, gerade im DC-Bereich, Superman war nicht mehr im Supermarkt und die Geschichten sind auch nicht mehr Kinderlike. Früher war das so, du musstest ein Heft nicht gelesen haben und hattest eine gute Story gehabt. Heute musst du wissen, was in den letzten zwanzig Heften passiert ist, um die Story überhaupt zu verstehen.
Wahrscheinlich auch, um die Leser zu binden, damit sie weiter dranbleiben.
Ja, aber früher sind sie auch dran geblieben, aus anderen Gründen. Ich glaube, dass die viele Leute, die heute diese Comics kaufen, sie gar nicht lesen. Also Hoschi, Holger, liest keins seiner Comics. Der kauft sie und schweißt sie ein, der hat alle Comics im Neuzustand. Er ist Sammler. Und sie haben genauso sehr eine Klatsche wie wir. Dafür sind andere Hobbys unpopulärer geworden. Es ist nichts anderes als Briefmarkensammler. Die, die früher Briefmarken gesammelt haben, sammeln jetzt Comics. Hoschi hat für das erste Heft Superman, welches in Japan rauskam, einen gefunden, der es hat in Zustand 1 oder 1+ und hat er ein Jahr für gespart und monatlich überwiesen, um es sich dann zu Weihnachten abzuholen und zu Hause einzurahmen.
Das ist Wahnsinn.
Ja, aber es wird sonst kein anderer machen. Kein Jugendlicher und du sicherlich auch nicht. Ein Comic für 500 Euro. Sie wollen es ja nur besitzen, das ist der einzige Grund eigentlich.
“Mit dem Traum, weltweit die größte Sammlung an Comicverfilmungen zu haben.” “Das wäre schon mal so ein Ziel.”
(Das heilige Regal der Comicverfilmungen. Im Ernst, so eng an eng so eine Vielzahl der unterschiedlichsten Filme dieses Genres.)
Ja, ich kenne ja schon kaum noch Leute, die überhaupt Comics lesen, geschweige denn: Sie auf so einem Niveau sammeln zu wollen.
Ja, die Filme haben nur nichts mehr damit zu tun. Die laufen unabhängig. Und bei Marvel z.B. und das wird bei DC nicht viel anders sein: Die leben von den Lizensen, die sie für Filme, Klamotten, Merchandise, Figuren und der ganze Kram machen. Davon leben sie hier. Hier, Burger King. Davon leben sie und Comics machen sie, um überhaupt eine Berechtigung dafür zu haben. Sie brauchen die Comics, um einen Grund zu haben, um den Rest zu machen. Um zu sagen: Okay, wir machen Wolverine und das ist eine Comicverfilmng. Es ist natürlich schön, wenn wir ins Kino gehen können, weil sieben Millionen andere auch dafür ins Kino gehen und nicht die Comics dafür lesen. Dass es überhaupt diese Möglichkeit gab.
Klar, mit dem Spagat, dass es beide Seiten zufrieden stellt.
Klar. Das finde ich ja halt auch. Der erste Hulk, den die meisten ja nicht so gut fanden. Der von Ang Lee. Lee hat bei dem Hulk aus einer bestimmten Phase ganze Bildsequenzen übernommen. Ich sehe das Bild und sehe das Originalbild gleich vor mir, weil die im Kopf eingebrannt sind. Das ist natürlich schön zu sehen. Oder wenn Stan Lee als Postbote da auftritt.
Ja, generell die ganzen Cameoauftritte von Stan Lee.
Ja! Aber das sie jetzt z.B. anfangen einen Rächerfim zu machen, auch wenn ich net weiss, wer den sehen soll, wo Iron Man auftaucht. Robert Downy Junior bei Hulk auftaucht und da sieht man, dass sie aus ganzen Herzen beide Seiten zufrieden stellen möchten. Weil sie wissen, sie können keinen Spiderman filmen machen, ohne, dass die Fanboys ihn nicht auch einigermaßen gut finden, nur halt auch, dass andere Leute ihn auch gut finden, sonst können wir ihn nicht sehen. Das ist einfach so und da muss man in den sauren Apfel beißen. Ich finde das aber schon voll ok, weil ich finde, dass die die Filme sehr gelungen sind.
Ich persönlich habe das Gefühl, die Figuren seien, auch wenn ich DC Fan bin, bei Marvel doch meist von der Grundstruktur tiefgründiger. Oder oftmals wirken Gut und Böse bei Marvel nicht so klar definiert. Was denkst du darüber.
Ja, sind sie auch. Bruce Wayne wäre nie Alkoholiker geworden, Tony ist es.
(Merchandise, Merchandise, Merchandise!)
Ja, die großen Helden von DC sind oftmals zu Fantasyhaft.
Zu eindimensional. Als Stan Lee damals die Figuren geschaffen hat, hat er sich auch die Frage gestellt, warum sollte ich so etwas wie Gotham City erfinden, wenn New York vor der Tür steht. Damals haben schon die Leute, wenn man in New York gewesen ist, und man liest Marvel Comics, dann weiss man, wo es stattfindet. Das gibt’s halt einfach alles. Und so hat er damals schon es näher an die Realität zu bringen versucht. Marvel ist auch sehr fantastisch, aber die Probleme, die sie hatten, die Art und Weise, wie sie damit umgehen, waren um einiges menschlicher und sie haben versucht die Fguren vielschichter darzustellen. Als Persönlichkeiten. DC hat das auch versucht, später, aber auch nicht so hingekriegt. Vielleicht weil sie nicht die besseren Stryschreiber hatten, die waren bei Marvel, sag ich mal. Weil sie da auch machen konnten, was sie wollten. Wobei das Gegenteil „Smallville“ ist, welches sehr gut ist, allerdings auch nicht auf Dcs Kopf gewachsen ist, wo ja aber einige Comicautoren dran geschrieben haben. Da geben sie sich sehr viel Mühe und haben ein eigenes Universum erschaffen. Das ist um einiges vielschichtiger und schöner, das ist genau genommen so, wie DC es immer gewollt hat ihre Comics zu machen und jetzt haben sie es geschafft.
“Vielleicht weil sie nicht die besseren Storyschreiber hatten, die waren bei Marvel”(Ein Szenenwechsel. Die Sammlung von Superheldencomics im Flur und unter dem Bett in diversen Kartons wird begutachtet. Langsam bereite ich mich zum Aufbruch vor.)
Macht man noch Schnäppchen oder sind die Verkäufer dreister geworden?
Sag mal so. Wenn man Comics so sammelt wie ich, dann macht man Schnäppchen, weil ich nicht viel Wert auf einen guten Zustand lege, ich will sie nur haben und lesen. Ich möchte schon, dass das Cover da ist, aber ansonsten ist es egal. Hoschi würde so ein Comic nicht mal anrühren, nicht mal anfassen, das ist für ihn Müll. Es ist einfach in einem erbärmlichen Zustand. Vielleicht Zustand 3.
(Stanley hebt ein altes “JLA-Comic” hoch. Kurz bevor ich die Wohnung verlasse, blicke ich mich noch einmal um. Betrachte die Sammlung ein letztes Mal, die zugegebener Maßen um einiges umfangreicher als die eigene ist.)
Da wird man neidisch.
Ja, ich mein, dafür hatte ich auch zwanzig, dreißig Jahre Zeit zum Sammeln.
(Ein letztes Fotos von Wolverine, welcher nun auf Stanleys Rücken für die Ewigkeit festgehalten wird. Draußen heisst mich die Kälte wieder willkommen. Müde trotz des Kaffes blicke ich vorrausschauend auf die lange Laufzeit der Aufnahme rauf und das Niederschreibens eines Interviews, das mir viel Spaß bereitet hatte.)





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